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Hamburger Mattenfilter

Hamburger Mattenfilter (HMF)

Der Hamburger Mattenfilter, kurz HMF, nutzt eine große Schaumstoffmatte als Filtermedium. Sie trennt einen kleinen Technikbereich vom übrigen Aquarium ab. Eine Pumpe oder ein Luftheber befördert Wasser aus diesem Bereich zurück ins Becken. Dadurch strömt Aquariumwasser durch die Matte nach. Die große Fläche verteilt die Ansaugung und bietet viel Platz für biologisch aktive Mikroorganismen.

Schema eines Hamburger Mattenfilters: Wasser durchströmt die Matte und wird aus der dahinterliegenden Kammer ins Aquarium zurückgeführt
Prinzip des HMF: Die Matte trennt Filterkammer und Aquarium. Der Rücklauf führt das gefilterte Wasser wieder ins Becken. Grafik: Fred the Oyster / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, unverändert übernommen.

Wie arbeitet ein Hamburger Mattenfilter?

Schwebstoffe bleiben im Schaumstoff hängen. Gleichzeitig bildet sich auf den inneren und äußeren Oberflächen ein Biofilm. Die dort lebenden Mikroorganismen übernehmen einen Teil der biologischen Filterung und Nitrifikation. Die Matte ist somit Schmutzfänger und biologische Besiedlungsfläche zugleich. Ein neuer HMF benötigt wie andere Filter eine Einfahrzeit; die große Matte macht ein frisch eingerichtetes Aquarium nicht sofort besatzbereit.

Der Wasserweg ist entscheidend: Die Matte muss an den Rändern passend sitzen, und die Filterkammer muss vom übrigen Becken getrennt sein. Wasser soll durch den Schaumstoff fließen, statt an seitlichen Spalten vorbeizulaufen. Bei einer bis zum Boden reichenden Trennmatte liegt die Oberkante üblicherweise über dem Wasserspiegel. Der Rücklauf führt durch oder über die Matte zurück ins Aquarium.

Seitenmatte, Eckfilter oder mobiles Modul

  • Seitenmatte: Eine gerade Matte trennt beispielsweise eine schmale Kammer an der Seitenscheibe ab. Der Aufbau ist einfach, beansprucht aber einen Teil der Beckenlänge.
  • Eck-HMF: Eine gebogene Matte sitzt in Halteschienen vor einer Aquarienecke. Technik und Filterkammer verschwinden dahinter; die Form lässt sich oft gut in die Einrichtung einfügen.
  • Mobiles Mattenfilter-Modul: Eine freistehende oder einhängbare Konstruktion lässt sich häufig ohne eingeklebte Halteschienen einsetzen. Auch hier muss der Wasserweg so geführt sein, dass die Ansaugung durch die Matte erfolgt.

Luftheber oder Motorpumpe?

Beide Antriebe sind möglich. Ein Luftheber benötigt eine Luftpumpe: Aufsteigende Luftblasen nehmen Wasser mit und befördern es zurück ins Becken. Das ist besonders in Garnelen-, Aufzucht- und Zuchtanlagen praktisch und unterstützt den Gasaustausch. Luftpumpe und Blasen können allerdings hörbar sein.

Eine kleine Motorpumpe sitzt hinter der Matte und ermöglicht einen gezielter einstellbaren Rücklauf. Das kann für Gesellschafts- und Pflanzenaquarien angenehm sein. Bei CO2-Düngung sollten Rücklauf und Oberflächenbewegung passend eingestellt werden: Starke Belüftung oder unnötiges Plätschern können den CO2-Verbrauch erhöhen. Eine ausreichende Sauerstoffversorgung bleibt trotzdem wichtiger.

Welche Matte und welcher Durchfluss passen?

Verwendet wird aquariengeeigneter, offenporiger Filterschaum. Mattenfläche, Porengröße, Dicke und tatsächlicher Durchfluss müssen zusammenpassen. Eine sehr feine Matte hält kleinere Partikel zurück, setzt sich aber schneller zu. Eine gröbere Matte bleibt leichter durchlässig. Die Angabe PPI beschreibt die Porenanzahl pro Zoll: Ein höherer Wert steht für eine feinere Struktur.

Bei Garnelen und Jungfischen sollte die Porengröße zu den kleinsten Tieren passen. Auch eine große Matte ist nicht automatisch für jedes Jungtier sicher. Spalten, ungeschützte Zugänge zur Technik und eine zu grobe Struktur müssen vermieden werden.

Planung statt starrer Faustregel: Für klassische HMF werden häufig etwa zwei bis drei Beckenumwälzungen pro Stunde und eine rechnerische Anströmgeschwindigkeit von ungefähr 5–10 cm pro Minute als praktische Ausgangswerte genannt. Das sind Erfahrungswerte, keine universellen Grenzwerte. Maßgeblich bleiben Besatz, Belastung, nutzbare Mattenfläche und der tatsächliche Durchfluss im Betrieb. Die Pumpenangabe auf der Verpackung allein reicht dafür nicht.

Zusätzliche Filtermedien sind normalerweise nicht nötig. Ein passend geplanter HMF funktioniert mit seiner Matte. Aktivkohle oder andere Spezialmedien werden nur für einen konkreten Zweck eingesetzt; sie sind keine notwendige zweite Filterstufe. Lose Medien sollten nicht einfach hinter die Matte geschüttet werden, denn ohne gezielte Durchströmung entsteht daraus kein sinnvoller zusätzlicher Filterkorb.

Vorteile

  • große mechanisch und biologisch aktive Filterfläche
  • großflächige Ansaugung statt eines kleinen Ansaugkorbs
  • bei passender Planung lange Standzeiten und wenig Wartung
  • gut für Garnelen-, Zucht- und Aufzuchtbecken
  • Pumpe und weitere geeignete Technik können hinter der Matte verborgen werden
  • keine wasserführenden Schläuche außerhalb des Beckens nötig

Nachteile

  • Matte und Technikbereich benötigen dauerhaft Platz im Aquarium
  • die sichtbare Matte gefällt nicht jedem
  • nachträglicher Einbau fester Halteschienen kann aufwendig sein
  • feinste Schwebstoffe werden je nach Porengröße weniger gut zurückgehalten
  • das Herausnehmen einer verschmutzten Matte kann Mulm aufwirbeln
  • Luftheberbetrieb kann hörbar sein und den CO2-Verbrauch erhöhen

Für welche Aquarien eignet sich ein HMF?

Ein Mattenfilter ist besonders interessant für Garnelen-, Zucht- und Aufzuchtbecken sowie für Aquarianer, die eine einfache, langlebige Filterung wünschen. Garnelen weiden den Biofilm auf der Matte gerne ab. Auch in einem normal besetzten Gesellschaftsaquarium kann ein passend geplanter HMF gut funktionieren. Für größere oder stärker belastete Becken müssen Fläche und Wasserbewegung entsprechend ausgelegt werden; eine kleine Eckmatte ersetzt nicht automatisch einen ausreichend dimensionierten Filter.

Im Pflanzenaquarium ist ein motorbetriebener HMF ebenfalls möglich. Ob die sichtbare Matte und der Platzbedarf zur Gestaltung passen, ist eine praktische Entscheidung. Pflanzen oder Moose können sie optisch integrieren, sollten aber nicht die gesamte durchströmte Fläche dicht verschließen.

Wann und wie wird die Matte gereinigt?

Ein HMF muss nicht nach einem festen Wochenplan komplett gereinigt werden. Eine eingefahrene Matte darf braun werden; diese Farbe allein ist kein Zeichen eines Fehlers. Kontrolliert werden sollten Wasserbewegung, Rücklauf, Pumpenrotor beziehungsweise Luftheber und die Durchlässigkeit der Matte.

Sinkt der Wasserstand in der Kammer hinter der Matte deutlich unter den Wasserspiegel im Aquarium, kann die Matte zugesetzt sein. Auch eine eingezogene oder verformte Matte, merklich nachlassender Rücklauf oder Wasser, das an den Rändern vorbeifließt, sind Warnzeichen. Zuerst prüfen, ob Pumpe, Luftheber oder Rücklauf blockiert sind.

  • Nur so viel reinigen wie nötig: Oberflächlichen Mulm vorsichtig absaugen. Reicht das nicht, die Matte bei abgeschaltetem Antrieb herausnehmen und schonend in abgelassenem Aquariumwasser ausdrücken beziehungsweise spülen.
  • Biofilm erhalten: Die Matte nicht auskochen, desinfizieren oder bei jeder Pflege durch eine neue ersetzen. Bei gezielten Krankheitsmaßnahmen gelten gesonderte Anforderungen.
  • Technik separat pflegen: Pumpenrotor, Luftheber und Luftzufuhr kontrollieren. Die Matte anschließend wieder dicht einsetzen und den Rücklauf prüfen.
  • Mulm einordnen: Ein dünner Belag darf bleiben. Größere Ansammlungen hinter der Matte können bei Bedarf abgesaugt werden; die Filterkammer muss nicht ständig vollständig gereinigt werden.

PEP-Empfehlung: Für Garnelen-, Aufzucht- und Zuchtbecken ist ein gut geplanter Mattenfilter eine sehr praktische Lösung. Die große Ansaugfläche, ein sicherer Wasserweg und eine passende Porengröße stehen im Vordergrund. Im Gesellschafts- oder Pflanzenaquarium lohnt sich ein Blick auf Platzbedarf, Optik und den gewünschten Antrieb. Weiterführend: Rüdiger Rautenberg – Aufbau und Planung eines Hamburger Mattenfilters (englischer Inhalt).

Planungshilfe: Sie möchten einen Hamburger Mattenfilter planen? Mit unserem HMF-Rechner berechnen Sie die benötigte Mattenfläche, Mattenbreite und den Pumpendurchfluss. Zum HMF-Rechner →

Weiterlesen: Biologische Grundlagen · Filtermedien und Bestückung · Filter reinigen und pflegen

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