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Algenratgeber

Algen im Aquarium – erkennen, Ursachen verstehen und richtig handeln

Algen gehören grundsätzlich zu einem Aquarium dazu. Einzelne Beläge oder wenige Algenfäden sind deshalb noch kein Grund zur Sorge. Wenn sich bestimmte Algen jedoch stark vermehren, Pflanzen überwachsen oder das Erscheinungsbild des Aquariums beeinträchtigen, lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Der wichtigste Schritt ist zunächst die richtige Bestimmung der Algenart beziehungsweise Algengruppe. Pinselalgen, Fadenalgen, Kieselalgen oder Cyanobakterien unterscheiden sich nicht nur im Aussehen. Auch die Bedingungen, unter denen sie verstärkt auftreten können, und die sinnvollen Gegenmaßnahmen unterscheiden sich teilweise erheblich.

In diesem Algenratgeber zeigen wir die häufigsten Algenprobleme im Süßwasseraquarium anhand möglichst eindeutiger Beispielbilder. Zu jeder Algengruppe und den dazugehörigen Erscheinungsformen erklären wir typische Erkennungsmerkmale, bevorzugte Wuchsorte, mögliche begünstigende Bedingungen und sinnvolle Maßnahmen.

Unsere grundsätzliche Haltung zu Algiziden

PEP empfiehlt Algizide im Pflanzenaquarium grundsätzlich nicht als erste Maßnahme. Solche Mittel können vorhandene Algen schädigen oder abtöten, beseitigen aber nicht automatisch die Bedingungen, unter denen sich das Algenproblem entwickelt hat.

Nachhaltiger ist es in den meisten Fällen, zunächst Beleuchtung, CO2-Versorgung, Nährstoffversorgung, Pflanzenwachstum, Strömung und organische Belastung zu überprüfen und das Aquarium wieder in ein stabiles Gleichgewicht zu bringen.

Viele typische Algenprobleme lassen sich deutlich reduzieren oder vollständig in den Griff bekommen, wenn die Bedingungen für die Aquarienpflanzen verbessert und unnötige Ungleichgewichte beseitigt werden.

Gezielte lokale Behandlungen können bei einzelnen hartnäckigen Algenarten sinnvoll sein. Wir betrachten sie jedoch als unterstützende Maßnahme zur Entfernung eines vorhandenen Befalls und nicht als Ersatz für die Suche nach den begünstigenden Bedingungen.

Licht bei Algenproblemen – nicht reflexartig reduzieren

Eine der häufigsten Empfehlungen bei Algenproblemen lautet, die Beleuchtungsdauer zu verkürzen oder die Lichtleistung zu reduzieren.

Als pauschale Maßnahme halten wir davon wenig.

Licht liefert sowohl Aquarienpflanzen als auch Algen die Energie für die Photosynthese. Mit steigender Lichtmenge steigt jedoch auch das mögliche Wachstum der Aquarienpflanzen – und damit ihr Bedarf an CO2 und Mineralstoffen.

Wenn ausreichend Licht vorhanden ist, die Pflanzen aber beispielsweise aufgrund eines CO2- oder Nährstoffmangels nicht entsprechend wachsen können, sollte man deshalb nicht automatisch das Licht reduzieren. Sinnvoller ist es zunächst zu prüfen, ob die CO2- und Nährstoffversorgung zur vorhandenen Beleuchtung passen.

PEP-Grundsatz

Bei einer sinnvoll dimensionierten Aquariumbeleuchtung passen wir die CO2- und Nährstoffversorgung an das vorhandene Licht an – nicht das Licht vorschnell an ein Algenproblem.

Nährstoffmängel absichtlich zu erzeugen, um Algen „auszuhungern“, schwächt häufig gleichzeitig die Aquarienpflanzen. Ziel sollte deshalb eine ausreichende und möglichst stabile Versorgung ohne unnötige Überdosierung sein.

Das bedeutet allerdings nicht, dass beliebig viel Licht immer sinnvoll wäre. Ist eine Beleuchtung für das Aquarium tatsächlich deutlich zu stark oder wird ein stark beleuchtetes Aquarium unverhältnismäßig lange beleuchtet, kann eine Anpassung durchaus sinnvoll sein.

Entscheidend ist deshalb immer das Verhältnis zwischen Lichtmenge, Beleuchtungsdauer, CO2, Nährstoffversorgung und Pflanzenmasse.

Für ein normal beleuchtetes, eingefahrenes Pflanzenaquarium sehen wir etwa 10–12 Stunden Beleuchtungszeit als guten Ausgangspunkt. Bei stärker beziehungsweise sehr stark beleuchteten Aquarien kann eine kürzere Beleuchtungsdauer sinnvoll sein.

Sonnenlicht am Aquarium – verursacht das automatisch Algen?

Auch die Aussage „Ein Aquarium darf kein direktes Sonnenlicht bekommen, weil davon Algen entstehen“ ist uns zu pauschal.

Sonnenlicht ist zunächst einmal zusätzliches Licht. Für die Photosynthese unterscheidet eine Pflanze nicht danach, ob die nutzbare Strahlung von einer Aquariumleuchte oder von der Sonne stammt.

Steht ein Aquarium so, dass für einen Teil des Tages Sonnenlicht in das Becken fällt, erhöht sich dadurch die gesamte Lichtmenge. Damit kann auch das mögliche Wachstum der Pflanzen steigen – gleichzeitig steigt entsprechend der Bedarf an CO2 und Nährstoffen.

PEP-Praxisempfehlung

Ein Aquarium muss nicht allein deshalb an einen anderen Standort gestellt werden, weil zeitweise Sonnenlicht darauf fällt. Entscheidend ist, die zusätzliche Lichtmenge bei der CO2- und Nährstoffversorgung des Pflanzenaquariums mit zu berücksichtigen.

Sonnenlicht kann allerdings deutlich intensiver sein als eine normale Aquariumbeleuchtung und schwankt je nach Tageszeit, Jahreszeit und Wetter. Bei mehreren Stunden kräftiger direkter Sonneneinstrahlung sollte deshalb beobachtet werden, ob die gesamte Lichtmenge für das Becken noch sinnvoll ist.

Zusätzlich kann direktes Sonnenlicht das Aquarium erwärmen. Besonders im Sommer sollte deshalb auch die Wassertemperatur im Auge behalten werden.

Ein auftretendes Algenproblem allein mit dem Satz „Da scheint Sonne ins Aquarium“ zu erklären, greift jedoch zu kurz. Auch hier betrachten wir lieber das Gesamtsystem aus Licht, CO2, Nährstoffen, Pflanzenwachstum und Pflege.

Mehr zu Lichtstärke, Lumen pro Liter, Beleuchtungsdauer und dem Zusammenspiel von Licht und Pflanzen finden Sie in unserem Ratgeber Beleuchtung im Aquarium.


Zur passenden Algengruppe

Wählen Sie die Gruppe, die zu Ihrem Befall passt. Auf den Themenseiten finden Sie die bisherigen Erkennungsmerkmale, Beispielbilder, Quellen und Maßnahmen. Cladophora behandeln wir wegen ihrer Besonderheiten separat; Cyanobakterien gehören biologisch nicht zu den Algen.

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